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Ganz einfach erklärt

Eine Heidelberger Arbeitsgruppe hat Daten von 445.493 Menschen zwischen 40 und 69 Jahren aus der UK Biobank ausgewertet. Wer regelmäßig Vitamin D nahm, hatte etwas häufiger zu hohes Blutkalzium (Chance 1,46-fach). Nierensteine und Gefäßsteifigkeit traten bei Anwendern aber nicht häufiger auf. Es ist eine Beobachtungsstudie, sie zeigt Zusammenhänge und keine Ursachen.

Gerade im Schichtdienst nehmen viele Vitamin D, weil sie wenig Tageslicht abbekommen. Dann stellt sich schnell die Frage: Kann man da etwas falsch machen? Eine große Studie aus Heidelberg hat sich genau die möglichen Nebenwirkungen angesehen. Hier steht, was sie fand und was sie nicht beantworten kann.

Worum es in der Studie ging

Das Team um Sha Sha, Hermann Brenner und Ben Schöttker vom Deutschen Krebsforschungszentrum hat Daten der UK Biobank genutzt, einer britischen Langzeitstudie. Ausgewertet wurden 445.493 Menschen im Alter von 40 bis 69 Jahren. Untersucht wurde, ob hohe Vitamin-D-Blutwerte (25-Hydroxyvitamin D von mindestens 100 nmol/L) oder die regelmäßige Einnahme von Vitamin-D-Präparaten mit drei Dingen zusammenhängen: zu hohem Kalzium im Blut (über 2,6 mmol/L), Nierensteinen und Gefäßveränderungen, gemessen an der Steifigkeit der Arterien und der Wanddicke der Halsschlagader.

Die Auswertung berücksichtigte 49 weitere Merkmale wie Alter, Gewicht, Vorerkrankungen und Medikamente, damit sie sich nicht einfach durch andere Unterschiede zwischen den Gruppen erklären.

Wie viele überhaupt Vitamin D nahmen und wie hoch ihre Werte waren

Nur 4,3 Prozent gaben an, regelmäßig Vitamin D einzunehmen, 20,4 Prozent nahmen Multivitaminpräparate. Hohe Blutwerte ab 100 nmol/L hatten nur 1,5 Prozent. Werte über 125 nmol/L hatten 0,2 Prozent (803 Personen), über 250 nmol/L nur sechs Personen. Dagegen hatten 21,0 Prozent einen Mangel (unter 30 nmol/L) und 34,3 Prozent einen niedrigen Wert (30 bis unter 50 nmol/L).

Die genauen Dosen kennt die Studie nicht. Die Autoren schätzen, dass Multivitamine meist etwa 400 I.E. enthalten, frei verkäufliche Vitamin-D-Präparate 800 bis 2000 I.E. pro Kapsel und verschriebene Präparate meist 1000 bis 4000 I.E. am Tag oder entsprechende Wochendosen.

Was bei den Ergebnissen herauskam

Hohe Blutwerte (ab 100 nmol/L) hingen weder mit erhöhtem Blutkalzium noch mit Nierensteinen noch mit Gefäßveränderungen zusammen. Wer regelmäßig Vitamin D nahm, hatte dagegen häufiger zu hohes Blutkalzium. Die Chance dafür war 1,46-fach (95-Prozent-Intervall 1,32 bis 1,62), bei Multivitaminen 1,11-fach (1,04 bis 1,18). Insgesamt hatten 1,6 Prozent der Teilnehmenden zu Beginn erhöhtes Kalzium, bei Frauen doppelt so oft wie bei Männern (2,0 gegenüber 1,0 Prozent).

Bei Nierensteinen (1,1 Prozent im Beobachtungszeitraum von median 12,8 Jahren) fand sich unter Anwendern kein höheres Risiko. Im Gegenteil: Ein niedriger Vitamin-D-Wert ging mit etwas mehr Nierensteinen einher (11 Prozent höheres Risiko bei Werten von 30 bis unter 50 nmol/L, statistisch auffällig). Bei der Gefäßsteifigkeit gab es für Präparate ebenfalls keinen Zusammenhang, bei niedrigen Werten ein um 6 Prozent höheres Risiko für auffällig hohe Steifigkeit.

Warum die erhöhten Kalziumwerte nicht einfach „Überdosierung“ heißen

Man könnte denken, die Anwender hätten zu viel genommen. Das passt aber nicht zu den Daten: Bei Anwendern mit erhöhtem Kalzium lag der Vitamin-D-Wert im Mittel bei 59,6 nmol/L, bei Anwendern ohne erhöhtes Kalzium bei 57,4 nmol/L. Der Unterschied war nicht statistisch bedeutsam. Die Autoren vermuten daher, dass die erhöhten Werte eher mit der gleichzeitigen Einnahme von Kalzium bei bestimmten, genetisch empfindlichen Menschen zusammenhängen. Das ist eine Vermutung, in dieser Studie nicht geprüft, denn es wurde weder die Kalziumeinnahme noch die genaue Dosis erfasst.

Wichtig für den Alltag: Auch ohne Beschwerden kann man ein zu hohes Kalzium nur im Blutbild sehen. Wer Präparate nimmt, besonders in Kombination mit Kalzium, kann das bei der nächsten Blutabnahme ansprechen.

Was die Studie nicht kann

Es ist eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt, was gemeinsam auftritt, nicht was was verursacht. Auch bei 49 berücksichtigten Merkmalen bleibt Restunsicherheit. Die UK Biobank gilt außerdem als Studie mit eher gesunden Teilnehmenden, und die Ergebnisse gelten vor allem für Menschen europäischer Herkunft in Gegenden ohne breite Vitamin-D-Anreicherung von Lebensmitteln. Der Blutkalzium-Wert und die Präparate wurden zu einem Zeitpunkt erfasst, Dosis und Einnahmehäufigkeit fehlen. Kalzium im Urin wurde nicht gemessen, weitere Folgen erhöhten Kalziums wie Herzrhythmusstörungen oder Muskelschwäche wurden nicht untersucht.

Die Studie sagt auch nicht, dass jede Dosis unbedenklich ist. Sehr hohe Werte sind selten (in der Studie sechs Personen über 250 nmol/L), daher sagt sie über extreme Dosierungen wenig.

Was das für dich bedeutet

Die Studie spricht dafür, dass übliche Vitamin-D-Mengen bei Menschen mittleren Alters in dieser Datenlage keine Nierensteine oder Gefäßveränderungen begünstigen. Sie ersetzt aber keinen Bluttest. Ob ein Präparat für dich sinnvoll ist und in welcher Dosis, hängt von deinem Wert, deinen Medikamenten und deinen Erkrankungen ab. Das klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, vor allem wenn du Kalzium nimmst, Nierenprobleme hast oder Wassertabletten bekommst.

Mehr zum Thema Vitamin D und K2 und zu Schichtdienst und Licht findest du in den verwandten Artikeln.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung und gibt keine Dosisempfehlung. Nimm Vitamin D und Kalzium nicht auf eigene Faust hoch dosiert ein, sondern lass deinen Wert messen und sprich die Einnahme mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab. Der Artikel ist nicht rechtsgeprüft.

Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Marcel Schinske

Ernährungs- und Bewegungscoach, früher Personal Trainer und Naturalist auf Expeditionsschiffen. Hilft Menschen mit echtem Alltag beim nachhaltigen Abnehmen.

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