In einer 14-tägigen Laborstudie mit 19 gesunden jungen Erwachsenen (Chellappa und Kollegen, 2021) wurde Nachtarbeit simuliert. Wer auch nachts aß, hatte danach nach dem Frühstückstest eine um 19 % höhere Blutzuckerkurve und eine um 53 % geringere frühe Insulinantwort. Wer nur tagsüber aß, zeigte das nicht. Die Studie war klein und im Labor, ein Verbot, nachts zu essen, folgt daraus nicht.
Im Nachtdienst isst fast jeder irgendwann nachts. Hier steht, was eine Laborstudie dazu zeigt und wo die Grenzen liegen.
Was die Studie gemacht hat
Eine Forschungsgruppe aus Boston (Chellappa und Kollegen, 2021, Science Advances) hat 19 gesunde junge Erwachsene (12 Männer, 7 Frauen, im Mittel 26,5 Jahre, BMI 22,7) 14 Tage lang unter streng kontrollierten Laborbedingungen untersucht. Nachtarbeit wurde simuliert: Der Schlaf-Wach-Rhythmus wurde um etwa 12 Stunden verschoben. Per Zufall bekamen 10 Personen Mahlzeiten rund um die Uhr, auch nachts (Nachtessen-Gruppe), 9 Personen aßen nur tagsüber (Tagessen-Gruppe). Kalorien, Nährstoffe, Licht und Aktivität waren in beiden Gruppen gleich, nur der Zeitpunkt der Mahlzeiten unterschied sich.
Was herauskam
Bei der Nachtessen-Gruppe verschob sich der Blutzucker-Rhythmus um etwa 12 Stunden mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus, während die Körpertemperatur als Maß der zentralen inneren Uhr kaum davon betroffen war. Innere Uhr und Blutzucker-Rhythmus liefen also auseinander. Bei der Tagessen-Gruppe blieben beide im Gleichklang.
Nach einem Test-Frühstück stieg die Blutzuckerkurve in der Nachtessen-Gruppe um 19,4 % gegenüber dem Ausgangswert (Konfidenzintervall 4,7 bis 34,2 %), die frühe Insulinantwort sank um 52,9 %. Nach dem Test-Abendessen sah man keinen gesicherten Unterschied. Über 28 Stunden gemittelt lag der Blutzucker in dieser Gruppe 6,4 % höher (etwa 6 mg/dl). In der Tagessen-Gruppe änderte sich nichts Gesichertes.
Grenzen und was das für dich heißt
Die Gruppen waren mit 10 und 9 Personen sehr klein, die Teilnehmenden jung, gesund und ohne Schlafprobleme. Es war ein Laborversuch mit simulierter Nachtarbeit, kein Dienst mit Einsätzen, Pausen und Kantine. Die Autoren schreiben selbst, dass die Wirkung beim Frühstück stärker war als beim Abendessen, und verweisen auf einen Zusammenhang mit Uhrzeit und Fastendauer. Aus der Studie folgt kein Verbot, nachts zu essen.
Als Gedankenanstoß taugt sie: Wenn es sich einrichten lässt, kann ein größerer Teil des Essens vor und nach dem Dienst liegen, nachts eher kleine, eiweißreiche Sachen. Das ist ein Vorschlag aus dem Alltag, kein Ergebnis dieser Studie. Bei Diabetes oder Medikamenten bespricht man Änderungen vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder trainerische Beratung. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schmerzen oder Unsicherheit sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Die Studienlage kann sich ändern. Der Artikel ist nicht rechtsgeprüft.
Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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