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Ganz einfach erklärt

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) sehen bei Typ-2-Diabetes keine Ernährungsform klar im Vorteil. Empfohlen werden kaloriengerecht, ballaststoffreich, viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte und pflanzliche Öle wie Raps- oder Olivenöl. Zuckergesüßte Getränke sollen minimiert werden. Bei Übergewicht kann Gewichtsabnahme helfen, bei manchen sogar zu einer Remission. Alles Weitere hängt von Medikamenten, Alter und Begleiterkrankungen ab und gehört in ärztliche Hand.

Wer Typ-2-Diabetes hat oder ein erhöhtes Risiko, findet im Netz widersprüchliche Ernährungstipps. Hier steht, was in den deutschen ärztlichen Leitlinien wirklich steht: in den Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), den daraus abgeleiteten Patienten-Empfehlungen und der Nationalen VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (NVL). Das ersetzt keine Beratung, es erklärt dir die Grundlinien.

Wer die Empfehlungen schreibt

Die DDG-Praxisempfehlungen kommen vom Ausschuss Ernährung der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Sie fassen Metaanalysen und Übersichtsarbeiten zusammen und werden jährlich aktualisiert. Die NVL ist eine S3-Leitlinie, getragen von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und den medizinischen Fachgesellschaften. Das Kapitel zur nicht-medikamentösen Therapie wurde 2024 neu erstellt. Beide Dokumente betonen, dass die Ernährungstherapie stark individualisiert werden muss, je nach Medikamenten (zum Beispiel Insulin), Alter und Begleiterkrankungen.

Das Grundmuster: kaloriengerecht, ballaststoffreich, pflanzenbetont

Die NVL empfiehlt Menschen mit Typ-2-Diabetes „eine kaloriengerechte, ballaststoffreiche Ernährung, die reich an Gemüse, Früchten und bestimmten pflanzlichen Fetten ist“. Gemeint sind günstige Fette wie Rapsöl und Olivenöl, ungünstig sei zum Beispiel Palmöl. Das entspricht im weitesten Sinn einer Mittelmeer-Ernährung. Die Leitliniengruppe verzichtet bewusst auf das Wort „mediterran“, weil es nicht gut definiert ist. Die Stärke der Empfehlung („sollte“) ist moderat, denn die Studien dazu haben Schwächen, vor allem die PREDIMED-Studie, auf der vieles beruht (siehe unseren Artikel zu Olivenöl).

Die DDG nennt mediterrane, vegetarische und vegane Ernährung als akzeptable Muster. Für DASH-Diät, nordisches Muster und Paleo sieht sie die Evidenz derzeit als nicht ausreichend, um sie speziell für Diabetes zu empfehlen. Fettarm als Dauerregel für alle wird nicht mehr empfohlen: Die NVL schreibt, die früher übliche fettreduzierte Kost für übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes lasse sich nach der Evidenz nicht aufrechterhalten.

Gewicht: was die Leitlinien sagen

Bei Übergewicht soll nach DDG im Allgemeinen eine Gewichtsabnahme angestrebt werden, wiederholtes Auf und Ab („Weight cycling“) soll vermieden werden. Schon 5 bis 10 Prozent weniger Gewicht verringern Risiken wie Insulinresistenz, erhöhten Blutzucker und ungünstige Blutfette. Für eine Remission nennt die DDG eine Abnahme von 15 kg als Ziel bei Übergewicht oder Adipositas, der „übliche und realistische Konsens“ im Alltag sei aber 3 bis 5 kg im Rahmen einer Umstellung von Ernährung und Bewegung. Bei Prädiabetes habe das die Neuerkrankung an Typ-2-Diabetes um etwa 60 Prozent verringert.

Die NVL schreibt, dass intensive Programme bei einem Teil der Menschen die Medikamente reduzieren oder eine Remission erreichen konnten. Sie seien aber aufwendig, im Alltag schwer umsetzbar, und Langzeitdaten gebe es nur vereinzelt. Die Leitlinie rät deshalb, Angebote denen zu machen, die dazu bereit sind, und nennt als mögliche Schäden Frust, Versagensängste und Schuldgefühle.

Keine Ernährungsform ist laut DDG bei der Gewichtsabnahme anderen klar überlegen. Moderate Kohlenhydratreduktion ist kurzfristig eine mögliche Methode, für den Gewichtserhalt sind Low-Carb und Low-Fat wahrscheinlich gleichwertig, die Wahl richtet sich nach der Vorliebe. Wer Insulin spritzt, soll Low-Carb nur unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle machen. Bei älteren Menschen sei zu bedenken, dass größere Gewichtsabnahmen mit Muskelverlust einhergehen. Gewichtsreduktion müsse klar indiziert sein.

Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Obst und Gemüse

Kohlenhydrate sollen bevorzugt aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen kommen. Als Zielgröße für Ballaststoffe nennt die DDG 30 g am Tag (15 g je 1.000 kcal), auch wenn die Evidenz für diese Zahl gering ist. Hochverarbeitete Vollkornprodukte haben keine zusätzlichen günstigen Wirkungen auf den Blutzucker nach dem Essen, ganze Körner schon eher. Mehr zu Ballaststoffen findest du in unserem Ballaststoff-Artikel.

Bei übergewichtigen Menschen kann mehr Gemüse helfen, weniger zu essen. Bei Normalgewicht sollen große Portionen Obst und stärkereiches Gemüse (Kartoffeln, Mais, Reis, Getreide) vermieden werden. Wer Insulin spritzt, soll Obst nach Kohlenhydrateinheiten berücksichtigen. Die DDG hält eine Aufteilung in gute und schlechte Obstsorten nicht für sinnvoll. Die NVL nennt dagegen beispielhaft kohlenhydratärmere Früchte wie Beeren, Wassermelone, Pfirsiche und Clementinen und sieht sehr kohlenhydratreiche Früchte wie Banane, Trauben und Mango für den täglichen Verzehr eher ungünstig. Hier sind die beiden Dokumente also nicht einer Meinung.

Getränke, Süßstoffe, Alkohol, Fleisch

Zuckergesüßte Getränke sollen minimiert werden, ebenso mit Fruktose gesüßte Getränke. Süßstoffe sind bei Einhaltung der Höchstmengen unbedenklich und können gelegentlich sinnvoll sein. Alkohol soll auf die für die Allgemeinbevölkerung empfohlene Menge begrenzt werden. Wer Insulin spritzt, hat bei größeren Alkoholmengen ein erhöhtes Risiko für schwere, besonders nächtliche Unterzuckerungen, das sich durch Essen beim Trinken und einen angehobenen Zielwert am Abend senken lässt. Bei Fleisch soll der Verzehr auf das von der DGE empfohlene Maß reduziert werden, auch aus Umweltgründen.

Beim Intervallfasten gilt: Es kann unter ärztlicher Überwachung zur Gewichtsabnahme eingesetzt werden, eine generelle Empfehlung für eine bestimmte Form gibt es nicht. Eiweiß empfiehlt die DDG mit 10 bis 25 Prozent der Energie bei Menschen unter 60 und 15 bis 25 Prozent darüber, bei intakter Nierenfunktion. Bei eingeschränkter Nierenfunktion gehört die Eiweißmenge in ärztliche Hand.

Was das für Schichtarbeitende bedeutet

Die Leitlinien enthalten keine eigenen Regeln für Schichtarbeit. Was sie hergeben: eine regelmäßige, einfache Struktur (viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte, wenig Zuckergetränke) lässt sich auch im Nachtdienst umsetzen, und eine individuelle Beratung durch eine Ernährungsfachkraft wird ausdrücklich empfohlen, teilweise auch mit Kostenübernahme nach § 43 SGB V (DDG). Wenn du Medikamente nimmst, besonders Insulin, ist der Rhythmus von Essen und Dienst ein Thema für das Gespräch in der Praxis.

Grenzen dieser Zusammenfassung

Die Leitlinien richten sich an Fachpersonal und enthalten viele Details, die ich hier nicht wiedergebe, zum Beispiel zu einzelnen Medikamenten, Niereninsuffizienz, Schwangerschaft oder Kindern. Die DDG-Praxisempfehlungen werden jährlich überarbeitet, ich beziehe mich auf die Fassung 2023 und die Patienten-Empfehlungen, die auf der Fassung 2024 beruhen. Einige Empfehlungen haben eine geringe Evidenz, das schreiben die Leitlinien selbst. Dieser Artikel ist keine Therapieempfehlung.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du Diabetes hast, Medikamente nimmst oder deinen Blutzucker messen musst, ändere Ernährung und Gewicht nur in Absprache mit deiner Hausarzt- oder Diabetespraxis. Besonders bei Insulin und Sulfonylharnstoffen können Diäten und Alkohol gefährliche Unterzuckerungen auslösen. Der Artikel ist nicht rechtsgeprüft.

Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Marcel Schinske

Ernährungs- und Bewegungscoach, früher Personal Trainer und Naturalist auf Expeditionsschiffen. Hilft Menschen mit echtem Alltag beim nachhaltigen Abnehmen.

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