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Neue Studie: So essen Nachtschicht-Arbeitende mit Übergewicht

Von Marcel Schinske · Lesedauer: 5 Minuten

Ganz einfach erklärt

Eine Studie hat geschaut, was Menschen im Nachtdienst mit Übergewicht essen. Besonders auffällig: Sie aßen im Schnitt weniger Ballaststoffe, als empfohlen wird. Das sind die Stoffe aus Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten, die den Bauch füllen wie ein Schwamm. Genau hier kannst du leicht etwas ändern.

Studien zeigen: Schichtdienst und Übergewicht treten häufiger zusammen auf. Aber woran liegt das genau, in Zahlen? Eine aktuelle Studie hat sich das Essen von Nachtschicht-Arbeitern genau angeschaut.

Eine Untersuchung, die 2026 erschien (die SWIFt-Studie), hat sich das Essen von 245 Nachtschicht-Arbeitern mit Übergewicht oder Adipositas genau angesehen (Durchschnittsalter knapp 47 Jahre, 53 % Frauen). Sie hat es mit den australischen Ernährungsempfehlungen verglichen, nicht mit einer Gruppe von Tagarbeitern.1 Das Ergebnis gibt einen möglichen Ansatzpunkt.

Was die Studie gefunden hat

Das Essen der Nachtschicht-Arbeiter in der Studie lag im Schnitt bei viel Fett (35,8 % der Energie), viel gesättigtem Fett (13,6 %) und viel Natrium (Salz, 2.742 mg pro Tag). Gleichzeitig lag es bei wenig Kohlenhydraten (41,4 % der Energie) und wenig Ballaststoffen (19,1 g pro Tag bei Frauen, 22,6 g bei Männern). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag.1,4 Wer rotierend arbeitete, aß in der Studie außerdem mehr Energie und mehr Natrium als Menschen mit fester Nachtschicht.1

Das ist bemerkenswert. Wenn man über Schichtdienst und Essen spricht, geht es meist um Zucker, Koffein oder unregelmäßige Essenszeiten. Von zu wenig Ballaststoffen spricht man selten. Dabei lag die Gruppe in dieser Studie hier klar unter der Empfehlung. Ob das am Schichtdienst liegt, kann die Studie allein nicht beweisen. In Deutschland essen aber auch viele Menschen ohne Schichtdienst weniger als 30 g.4

Warum das mehr ist als nur eine Zahl

Der Zusammenhang lässt sich beziffern: Eine Auswertung von 28 Beobachtungsstudien (Meta-Analyse) fand bei Nachtschichtarbeit eine um etwa 23 % höhere Chance für Übergewicht oder Adipositas (Odds Ratio 1,23), bei Wechselschicht lag das Odds Ratio bei 1,14, bei dauerhafter Nachtschicht bei 1,43. Das ist ein Zusammenhang und kein Beweis für eine Ursache. Es sind Durchschnittswerte, nicht jeder im Schichtdienst nimmt zu.2

Der Körper reagiert nachts anders: In einem Laborversuch mit nur zehn Erwachsenen wurden Schlaf und Essen um etwa zwölf Stunden verschoben. Danach war der Blutzucker höher, obwohl mehr Insulin da war, und das Sättigungshormon Leptin war niedriger. Das war ein kurzer Versuch mit wenigen Menschen. Wie stark das bei dir wirkt, ist verschieden.3

Auch der Rhythmus spielt mit: In einer italienischen Untersuchung mit 349 Beschäftigten hatten Schichtarbeiter häufiger ein Metabolisches Syndrom (25,6 % gegenüber 13,7 % bei Tagarbeitern), außerdem öfter schlechten Schlaf. Auch hier gilt: Das ist ein Zusammenhang, der viele Gründe haben kann.5

Der wichtige Punkt für den Alltag: Von diesen Dingen lassen sich Ballaststoffe vermutlich am leichtesten ändern. Das geht leichter, als die innere Uhr selbst zu ändern. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn und Obst kannst du auch bei unregelmäßigen Schichten gut vorbereiten und mitnehmen.

Was das für deinen Alltag bedeutet

1. Denk gezielt an Ballaststoffe: Bei der nächsten vorbereiteten Mahlzeit nimmst du bewusst eine Portion Gemüse, Hülsenfrüchte oder eine Handvoll Nüsse dazu. Nicht nur Eiweiß und Kohlenhydrate.

2. Schau bei Fertigprodukten auf Fett und Salz: Was in der Nachtschicht schnell zu haben ist (Snackautomat, Fast Food), ist oft fett- und salzreich. Das passt zu dem, was die Studie bei der Gruppe gefunden hat.

3. Zweifle nicht an dir: Im Schnitt lag die ganze Gruppe in der Studie von den Empfehlungen entfernt. Unregelmäßige Dienste machen gutes Essen im Alltag oft schwieriger. Es ist also kein persönliches Versagen. Dafür kannst du es gezielt angehen. Hast du eine Vorerkrankung (zum Beispiel Diabetes oder eine Nierenerkrankung), nimmst Medikamente oder bist schwanger, besprich eine größere Ernährungsumstellung vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Häufige Fragen

Gilt das auch für Wechselschicht, nicht nur für reine Nachtschicht?
In der SWIFt-Studie hatten sowohl Menschen mit rotierender als auch mit fester Nachtschicht ein Essmuster mit viel Fett und Salz und wenig Ballaststoffen. Auch in der Meta-Analyse zeigte sich ein Zusammenhang bei beiden Formen, bei fester Nachtschicht war er stärker.

Reicht es, einfach mehr Ballaststoffe zu essen?
Es ist ein wichtiger Baustein, den man gut umsetzen kann. Aber es ist nicht der einzige Hebel. Auch Schlaf, der Zeitpunkt der Mahlzeiten und Bewegung spielen eine Rolle. Bei den Ballaststoffen lag die Gruppe in der neuen Studie deutlich unter der Empfehlung, hier lohnt sich also ein Blick.

Quellen

  1. Clark, A.B. et al. (2026): The SWIFt Study: Dietary Profiles of Night Shift Workers Characterised by Overweight and Obesity. European Journal of Nutrition — Springer Link
  2. Sun, M. et al. (2018): Meta-analysis on shift work and risks of specific obesity types. Obesity Reviews, 19(1), 28–40 (28 Beobachtungsstudien; Nachtschicht OR 1,23, Wechselschicht OR 1,14, Dauernachtschicht OR 1,43) — Universität Utrecht
  3. Scheer, F.A.J.L. et al. (2009): Adverse metabolic and cardiovascular consequences of circadian misalignment. PNAS, 106(11), 4453–4458 (10 Erwachsene im Labor) — PubMed
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2021): FAQ Ballaststoffe (mindestens 30 g pro Tag; mittlere Zufuhr NVS II: Frauen 18 g, Männer 19 g) — DGE (PDF)
  5. Leso, V. et al. (2026): Association Between Shift Work and Metabolic Alterations: Possible Contributing Factors. Safety and Health at Work, DOI: 10.1016/j.shaw.2025.11.004 — Universität Neapel

Hinweis: Alle Angaben sind Richtwerte aus Studien und ersetzen keine ärztliche Beratung.

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