Stell dir vor, du tauschst Süßigkeiten gegen Süßstoff-Bonbons. Heute sparst du Zucker. Aber dein Mund bleibt an Süßes gewöhnt. Die WHO sagt: Auf Dauer hilft das beim Abnehmen nicht. Das BfR sagt: Als Tausch in einem Abnehm-Plan kann es helfen. Beides passt zusammen.
Light-Getränke, Süßstofftabletten und zuckerfreie Produkte gelten als Helfer beim Abnehmen. Die WHO hat 2023 eine Leitlinie dazu veröffentlicht, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine eigene Bewertung. Was steht darin?
Was sagt die WHO?
Die WHO rät in ihrer Leitlinie von 2023 davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle oder zur Senkung des Risikos für nichtübertragbare Krankheiten zu nutzen. Die Empfehlung ist „bedingt“ (conditional), das heißt, sie muss je nach Land noch diskutiert werden.
Grundlage ist eine Übersichtsarbeit: Sie fand keinen langfristigen Nutzen für den Körperfettanteil bei Erwachsenen und Kindern. Bei Erwachsenen gab es in Beobachtungsstudien Hinweise auf mögliche Nachteile, zum Beispiel ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die WHO weist selbst darauf hin, dass diese Zusammenhänge auch durch andere Faktoren verzerrt sein können.
Die Empfehlung gilt nicht für Menschen, die bereits Diabetes haben. Zuckeralkohole wie Xylit zählen nicht dazu, weil sie Kalorien enthalten.
Was sagt das BfR?
Das BfR kommt zu einem etwas anderen Bild. Bei Erwachsenen kann der Ersatz von Zucker durch Süßstoffe im Rahmen eines Programms zur Gewichtsreduktion, mit kalorienreduzierter Ernährung und Beratung, die Abnahme unterstützen. Ohne ein solches Programm lassen die Daten keine Aussage zu.
Beobachtungsstudien zeigten keinen Vorteil, teils sogar einen Zusammenhang mit Gewichtszunahme, wobei umgekehrte Ursache (wer zunimmt, greift eher zu Light-Produkten) eine Rolle spielen kann. Für eine abschließende Risikobewertung reicht die Studienlage aus Sicht des BfR nicht aus.
Wie passt das zusammen?
Beide sagen im Kern: Süßstoffe sind keine Abkürzung. Wenn du eine Zucker-Cola gegen eine Light-Cola tauschst und insgesamt weniger Kalorien isst, kann das kurzfristig helfen. Als Dauerlösung, ohne dass sich deine Gewohnheiten ändern, ist der Nutzen nicht belegt.
Die WHO empfiehlt statt Süßstoff, freien Zucker auf anderem Weg zu senken, etwa mit Obst oder ungesüßten Getränken. Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee ohne Zucker sind einfache Wege.
Was heißt das im Schichtdienst?
Im Nachtdienst greifen viele zu Energy-Drinks und Cola. Wenn du Zuckergetränke ersetzen willst, ist ein Tausch gegen Wasser oder ungesüßten Tee die sicherste Wahl. Wenn du ab und zu eine Light-Cola trinkst, ist das nach heutigem Stand kein Grund zur Sorge, aber auch kein Abnehm-Trick.
Bei Diabetes, Schwangerschaft oder Medikamenten sprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Studienlage zu Süßstoffen ist laut BfR nicht ausreichend für eine abschließende Bewertung.
Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- WHO (2023): Guideline on use of non-sugar sweeteners, Pressemitteilung vom 15.05.2023 (bedingte Empfehlung gegen Süßstoffe zur Gewichtskontrolle; gilt nicht bei vorbestehendem Diabetes), über die Seite der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) gelesen.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Stellungnahme Nr. 004/2023 vom 07.02.2023 zu Süßungsmitteln (Bewertungsstand 2019; Körpergewicht, Stoffwechsel, Studienlage) — im Original gelesen. Hinweis: Die Stellungnahme erschien vor der WHO-Leitlinie und berücksichtigt sie nicht.
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