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Ganz einfach erklärt

Hagerman und Kollegen (2026) werteten die Ernährungsprotokolle von 112 Erwachsenen mit Übergewicht aus den ersten 12 Wochen eines Abnehmprogramms aus (mittlerer Verlust 5,6 Prozent). Wer öfter dieselben Speisen aß und von Tag zu Tag ähnlich viel Energie aufnahm, verlor im Durchschnitt mehr. Überraschend war, dass ein etwas höherer Verbrauch am Wochenende nicht mit weniger, sondern mit mehr Gewichtsverlust zusammenhing. Es ist eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt Zusammenhänge, aber nicht, dass Routine die Ursache ist, und sie beruht auf selbst eingetragenen Mahlzeiten.

Viele Ernährungsratschläge empfehlen Abwechslung. Gleichzeitig berichten Menschen, die ihr Gewicht lange halten, oft von festen Gewohnheiten. Eine Studie aus dem Jahr 2026 hat das mit echten Ernährungsprotokollen untersucht, nicht mit Erinnerungsfragebögen. Hier steht, was herauskam, und was nicht daraus folgt.

Worum es geht

Abnehmen verlangt viele kleine Entscheidungen am Tag. Die Autorinnen und Autoren gehen von der Idee aus, dass Wiederholung Verhalten automatischer und damit weniger anstrengend macht. Wer meist dieselben Mahlzeiten isst und ähnlich viel Energie aufnimmt, müsste dann weniger entscheiden und weniger abwägen. Ob das beim Abnehmen tatsächlich hilft, war bisher kaum untersucht. Frühere Studien stützten sich meist auf Fragebögen zur Ernährung in den letzten Wochen, die ungenau sind.

Was die Studie ist

Die Arbeit von Charlotte Hagerman, Asher Hong, Nicole Crane, Meghan Butryn und Evan Forman (Drexel University und Oregon Research Institute, USA) erschien 2026 in der Fachzeitschrift Health Psychology. Es ist eine Zweitauswertung einer klinischen Studie, die vom amerikanischen Gesundheitsinstitut NIDDK gefördert wurde (die Zweitauswertung erhielt zusätzliche Mittel). Die Hypothesen wurden vorab öffentlich registriert, die Daten sind frei zugänglich, die Autoren geben keine Interessenkonflikte an. Zwei Abweichungen von der Vorab-Planung nennen sie selbst: Sie legten die Mindest-Eintragsquote von 50 auf 75 Prozent der Tage fest, und die Behandlung von Ausreißern war nicht vorab bestimmt.

Wer untersucht wurde

Ausgewertet wurden 112 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas, im Mittel 52,6 Jahre alt, 84,8 Prozent Frauen, BMI im Mittel 34,5. Ursprünglich waren es 145. 33 Personen fielen heraus, weil sie an weniger als 75 Prozent der Tage ihr Essen eingetragen hatten. Das Programm lief komplett online. Die Teilnehmenden trugen ihre Mahlzeiten in eine Fitness-App ein und wogen sich täglich auf einer von der Studie gestellten WLAN-Waage. Ausgewertet wurden die ersten 12 Wochen.

Was gemessen wurde

Die Stabilität der Energiezufuhr wurde auf zwei Arten bestimmt: erstens als durchschnittliche Abweichung der täglich eingetragenen Kalorien vom eigenen Durchschnitt, zweitens als Unterschied zwischen Wochenende (Freitag bis Sonntag) und Wochentagen (Montag bis Donnerstag). Die Wiederholung wurde ebenfalls auf zwei Arten bestimmt: als Anteil der Einträge, die nur einmal vorkamen (je kleiner, desto mehr Wiederholung), und als Anteil der Speisen, die mehr als zehnmal eingetragen wurden. Getränke und Soßen blieben außen vor. Insgesamt gab es rund 105.000 Einträge, davon wurden etwa 90.000 ausgewertet. Eine Wiederholung zählte nur, wenn der Name eines Eintrags exakt übereinstimmte.

Was herauskam

Im Mittel nahmen die Teilnehmenden 5,6 Prozent ihres Gewichts ab. Im Durchschnitt wich ihre Tagesenergie um etwa 200 kcal vom eigenen Mittel ab. Pro 100 kcal größerer Schwankung lag der Gewichtsverlust im Schnitt etwa 0,6 Prozentpunkte niedriger. Wer weniger Einmal-Einträge hatte, verlor mehr: Pro 10 Prozentpunkte weniger Einmal-Einträge waren es etwa 0,5 Prozentpunkte mehr Gewichtsverlust. Wer mehr Speisen häufig wiederholte, verlor ebenfalls mehr (rund 1,6 Prozentpunkte pro 10 Prozentpunkte mehr). Ein Gruppenvergleich: Wer überwiegend Wiederholungen aß (91 Personen), verlor im Mittel 5,9 Prozent, wer überwiegend Neues aß (21 Personen), 4,3 Prozent. Alle Rechnungen berücksichtigten die Anzahl der Tage mit Eintrag und die Gruppe der Ausgangsstudie.

Das überraschende Wochenende

Die Autorinnen und Autoren hatten erwartet, dass ein großer Unterschied zwischen Wochenende und Wochentagen schadet. Das Gegenteil zeigte sich: Wer am Wochenende etwas mehr eintrug, verlor im Schnitt eher mehr (rund 0,6 Prozentpunkte pro 100 kcal Unterschied). Im Mittel lag der Wochenend-Aufschlag bei etwa 50 kcal, kein Teilnehmer erreichte im Durchschnitt 500 kcal Aufschlag. Die Autoren nennen mehrere mögliche Erklärungen: Wer am Wochenende nicht verzichtet, fühlt sich vielleicht weniger eingeschränkt. Oder die Abweichungen waren zu klein, um zu schaden. Oder diese Personen trugen einfach genauer ein, denn am Wochenende werden Mahlzeiten häufiger vergessen. Sie halten die Befunde zu Wochenende und Wochentag deshalb nicht für gesichert.

Grenzen der Studie

Es ist eine Beobachtungsstudie, es wurde nichts zufällig zugeteilt. Menschen mit mehr Selbststeuerung oder weniger Heißhunger könnten sowohl routinierter essen als auch mehr abnehmen. Die Ernährungsprotokolle sind selbst eingetragen und enthalten erfahrungsgemäß Lücken und Unterschätzungen. Wer nur an „guten“ Tagen eingetragen hat, kann zu stabil wirken. Die 75-Prozent-Regel kann eine besonders motivierte Gruppe übrig gelassen haben. Gleiche Speisen mit leicht anderem Namen zählten als verschieden. Ob die wiederholten Speisen gesund waren, wurde nicht untersucht. Die Stichprobe bestand überwiegend aus Frauen mittleren Alters in einem betreuten Programm, und nur die ersten 12 Wochen wurden betrachtet.

Was das für dich bedeuten kann

Die Studie bestätigt eine Idee, die man aus Erfahrung kennt: Feste Gerichte und feste Muster machen Planen und Eintragen leichter. Sie zeigt aber nicht, dass du auf Abwechslung verzichten solltest oder dass Routine allein zum Abnehmen führt. Die Autorinnen und Autoren sagen selbst, dass Experimente nötig sind, bevor man dazu eine Empfehlung ausspricht. Wenn ein fester Rhythmus für dich funktioniert, spricht nichts dagegen. Wenn dir Abwechslung hilft, dranzubleiben, ist das ebenso in Ordnung. Bei Vorerkrankungen oder Essstörungen sprich dein Essverhalten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Wichtig: Dieser Artikel fasst eine einzelne Studie zusammen. Er stellt keine Diagnose und gibt keine Empfehlung für einzelne Personen. Wenn du eine Essstörung hast oder hattest, besprich Ernährungsfragen und das genaue Aufschreiben von Mahlzeiten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Bei Essanfällen, starkem Schuldgefühl nach dem Essen oder dem Drang, danach zu hungern oder übermäßig zu trainieren, such dir bitte ärztliche oder therapeutische Hilfe. Der Artikel ist nicht rechtsgeprüft.

Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Marcel Schinske

Ernährungs- und Bewegungscoach, früher Personal Trainer und Naturalist auf Expeditionsschiffen. Hilft Menschen mit echtem Alltag beim nachhaltigen Abnehmen.

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