Ruiz-Canela, Corella und Kollegen (Annals of Internal Medicine, 2025) verglichen zwei Wege: mediterrane Kost nach Belieben (Vergleichsgruppe) und mediterrane Kost mit rund 600 kcal weniger pro Tag, mehr Bewegung und enger Betreuung. Von 4.746 Teilnehmenden ohne Diabetes zu Beginn erkrankten in der Betreuungsgruppe 280 an Typ-2-Diabetes, in der Vergleichsgruppe 349. Das entspricht einem um 31 Prozent niedrigeren Risiko. Das Gewicht sank nach 6 Jahren im Mittel um 3,3 kg gegenüber 0,6 kg. Weil mehrere Bausteine zugleich geändert wurden, lässt sich nicht sagen, welcher gewirkt hat.
Gesund essen, weniger essen, sich mehr bewegen: Das klingt nach drei Ratschlägen, die man seit Jahren hört. Die PREDIMED-Plus-Studie hat sie über viele Jahre als Paket geprüft, bei Menschen mit Übergewicht und erhöhten Risikowerten. Hier steht, was die Autorinnen und Autoren gemessen haben, was die Zahlen aussagen und wo die Studie ihre Grenzen hat.
Was die Studie ist
Die Arbeit ist eine vorab geplante Sekundärauswertung der Studie PREDIMED-Plus, einer randomisierten, einfach verblindeten Studie (ISRCTN89898870). Erste Autoren sind Miguel Ruiz-Canela und Dolores Corella, die Letztautoren Francisco Tinahones und Jordi Salas-Salvadó. Sie ist 2025 in den Annals of Internal Medicine erschienen. Das Ergebnis, um das es hier geht, war nicht das ursprüngliche Hauptziel der Studie, sondern ein vorab festgelegtes zweites Ziel: das Auftreten von Typ-2-Diabetes.
Eingeschlossen waren Erwachsene (Männer 55 bis 75 Jahre, Frauen 60 bis 75 Jahre) mit Übergewicht oder Adipositas (BMI von mindestens 27 bis unter 40) und mindestens drei Merkmalen eines metabolischen Syndroms, aber ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes. Von 6.874 zufällig zugeteilten Personen hatten 2.128 schon zu Beginn Diabetes. Ausgewertet wurden die übrigen 4.746: 2.404 in der Vergleichsgruppe und 2.342 in der Interventionsgruppe. Das Durchschnittsalter lag bei 64,9 Jahren, der durchschnittliche BMI bei 32,5.
Was die beiden Gruppen taten
Die Vergleichsgruppe bekam eine Schulung zur traditionellen mediterranen Kost, ohne Mengenvorgabe (nach Belieben), mit einem Einzeltermin, einem Telefonat und einer Gruppensitzung alle sechs Monate. Rat zu Bewegung oder Gewichtsverlust gab es dort nicht.
Die Interventionsgruppe bekam ebenfalls mediterrane Kost, aber mit einer geplanten Verringerung der Energiezufuhr um 600 kcal pro Tag (35 bis 40 Prozent der Kalorien aus Fett, 40 bis 45 Prozent aus Kohlenhydraten, etwa 20 Prozent aus Eiweiß). Dazu kam ein Bewegungsziel von 45 Minuten pro Tag an 6 Tagen pro Woche oder gleichwertig, außerdem Krafttraining an mindestens 2 Tagen und Beweglichkeits- und Gleichgewichtsübungen an mindestens 3 Tagen pro Woche. Die Betreuung war eng: im ersten Jahr dreimal im Monat Kontakt mit einer Ernährungsfachkraft, danach monatliche Gruppensitzungen, Einzelgespräche alle drei Monate und je zwei Telefonate pro Quartal. In beiden Gruppen bekamen die Teilnehmenden außerdem monatlich einen Liter Olivenöl extra vergine.
Was herauskam
Im Mittel wurden die Teilnehmenden 6,6 Jahre beobachtet. In dieser Zeit erkrankten in der Interventionsgruppe 280 Personen an Typ-2-Diabetes, in der Vergleichsgruppe 349. Das Risiko über sechs Jahre lag bei 12,0 Prozent in der Vergleichsgruppe und 9,5 Prozent in der Interventionsgruppe. Die bereinigte Hazard Ratio betrug 0,69 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,59 bis 0,82). Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 31 Prozent (18 bis 41 Prozent) und einem Unterschied von etwa 2,4 Prozentpunkten (1,8 bis 3,1) beim absoluten Risiko.
Bei Gewicht und Taillenumfang gab es nach sechs Jahren deutliche Unterschiede: In der Interventionsgruppe sank das Gewicht im Mittel um 3,3 kg (3,7 Prozent), in der Vergleichsgruppe um 0,6 kg (0,6 Prozent). Der Taillenumfang sank um 3,6 cm gegenüber 0,3 cm. Die Gewichtswerte beziehen sich auf die Teilnehmenden, die bis dahin dabei geblieben waren. Zusätzlich lag die körperliche Aktivität in der Interventionsgruppe im Schnitt um rund 800 MET-Minuten pro Woche höher.
Bei Männern war der Rückgang des Diabetesrisikos größer als bei Frauen (p für die Wechselwirkung 0,035). Für Alter, Bildungsstand und BMI fanden die Autoren keinen statistisch bedeutsamen Unterschied.
Was die Zahlen heißen und was nicht
Die Studie zeigt, dass ein Gesamtpaket aus mediterraner Kost, geplanter Kalorienreduktion, mehr Bewegung und enger Betreuung in dieser Gruppe mit weniger Typ-2-Diabetes einherging als mediterrane Kost allein. Sie zeigt nicht, welcher Baustein dafür verantwortlich ist. Die Autoren schreiben selbst, dass sich nicht trennen lässt, wie viel auf den Gewichtsverlust und wie viel auf die anderen Teile zurückgeht. Eine formale Mediationsanalyse gab es nicht. Sie stellen den Gewichtsverlust von im Mittel 3,7 Prozent über sechs Jahre als etwas dar, das mit einem langfristig niedrigeren Diabetesrisiko verbunden war.
Auch das Maß der Veränderung gehört zur Einordnung: 3,3 kg über sechs Jahre sind kein schneller Gewichtsverlust, sondern ein langsames, kleines Minus, das in dieser Studie offenbar durchgehalten wurde. Für diese Altersgruppe mit metabolischem Syndrom war das ein messbarer Unterschied beim Diabetesrisiko.
Grenzen der Studie
Die Autoren nennen mehrere Einschränkungen. Die Diabetes-Auswertung war ein vorab festgelegtes zweites Ziel. Die Angaben zur Ernährung beruhen auf Selbstauskünften, auch wenn sie mit einem geprüften Fragebogen regelmäßig erfasst wurden. Das Personal, das Körpermaße erhob, kannte die Gruppenzuordnung. Außerdem sind die Ergebnisse möglicherweise nicht auf jüngere Menschen oder andere ethnische Gruppen und Essgewohnheiten übertragbar. Ein weiterer Punkt ist der Aufwand: Die Interventionsgruppe wurde viel enger betreut als die Vergleichsgruppe, der Unterschied zwischen den Gruppen ist also auch ein Unterschied im Betreuungsumfang. Die Studie wurde vom Instituto de Salud Carlos III finanziert, das nach Angabe der Autoren keinen Einfluss auf Planung und Durchführung hatte.
Was das für Schichtarbeit bedeutet
In der Studie ging es um ältere Erwachsene mit Übergewicht und metabolischem Syndrom, nicht um Schichtarbeitende im mittleren Lebensalter. Aussagen über wechselnde Dienste lassen sich daraus nicht ableiten. Auch die Mengenvorgabe von 600 kcal weniger war ein Studienprotokoll mit enger Betreuung, kein Rezept zum Nachmachen. Was du mitnehmen kannst, ist die Richtung: Die Studie spricht dafür, dass langsamer, dauerhafter Gewichtsverlust zusammen mit Bewegung und einer überwiegend mediterranen Kost bei erhöhtem Risiko etwas für den Blutzucker tun kann. Wie das in deinen Dienstplan passt, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und in einer persönlichen Auswertung.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Diabetes, Vorstufen, erhöhten Blutzuckerwerten, Medikamenten oder Vorerkrankungen sprich Ernährungs- und Bewegungsänderungen vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab. Der Artikel ist nicht rechtsgeprüft.
Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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