Ernährung
Warum du nicht gescheitert bist —
das System war falsch
Von Marcel Schinske · BewegDichLeicht
Ganz einfach erklärt
Wenn eine Diät nicht klappt, bist du nicht schuld. Der Plan hat einfach nicht zu deinem Leben gepasst. Das ist wie ein Schuh in der falschen Größe: Er drückt, egal wie sehr du dich anstrengst. Ein guter Plan besteht aus kleinen Schritten, die in deinen Alltag passen.
Es gibt einen Satz, den ich meinen Klienten fast immer früh sage: Du bist nicht gescheitert. Du hattest nur nie ein System, das zu dir passt. Das klingt erst wie eine nette Ausrede. Aber vieles spricht dafür, dass es genau so ist.
Was dein Gehirn mit Veränderung macht
Dein Gehirn spart gern Kraft. Es mag Gewohnheiten, weil sie keine Energie kosten. Bewusste Entscheidungen kosten Energie. Wenn du plötzlich alles auf einmal ändern willst, wehrt sich dein Gehirn. Das gilt für Ernährung, Sport, Schlaf und Stress. Du bist dabei nicht schwach. Für dein Gehirn fühlen sich große Veränderungen oft anstrengend an.
Das Ergebnis: Bei vielen bricht das neue System nach einigen Wochen zusammen. Du fällst zurück in das, was du kennst. Dann kommen die Schuldgefühle. Du denkst: „Ich habe wieder aufgehört. Ich schaffe das nicht. Bei mir funktioniert es einfach nicht.“
Die Abwärtsspirale, die niemand erklärt
Dazu kommt ein Muster, das viele nicht erkennen. Langer Arbeitstag, erschöpft, schlechte Essensentscheidung, schlechtes Gewissen, schlechter Schlaf, noch erschöpfter, noch schlechtere Entscheidung. Das kann eine Spirale sein, die sich selbst antreibt. Stress kann Heißhunger wahrscheinlicher machen. In Studien stieg nach zu wenig Schlaf das Hungerhormon Ghrelin, und das Sättigungshormon Leptin sank. Ghrelin sagt „Ich habe Hunger“. Leptin sagt „Ich bin satt“. Wer müde ist, entscheidet oft schlechter. Das hat nichts mit Charakter zu tun, sondern mit der Arbeitsweise von Gehirn und Körper.
Was wirklich hilft
Der Ausweg ist kein neuer Diätplan. Der Ausweg ist ein System, das zu deinem echten Alltag passt. Nicht zu dem Alltag, den du gern hättest. Schau zuerst: Wann isst du wirklich? Wann hast du wirklich Zeit? Was bremst dich wirklich? Dann häng winzige Gewohnheiten genau an diese Momente. So klein, dass dein Gehirn sich nicht wehrt.
Aus kleinen Erfolgen wächst Selbstwirksamkeit. Das ist das Gefühl: „Ich kann das.“ Aus Selbstwirksamkeit wächst echte Veränderung. Das ist nicht nur ein Spruch zum Motivieren. Die Verhaltensforschung beschreibt es ähnlich.
Disziplin ist nicht das Problem
Disziplin ist keine Eigenschaft, die manche Menschen haben und andere nicht. Disziplin entsteht aus Klarheit und Routine. Wer ein System hat, das zu ihm passt, braucht viel weniger Willenskraft. Es läuft fast von allein. Menschen, die „immer so diszipliniert“ wirken, haben oft einfach die besseren Systeme.
Das Ziel ist also nicht, mehr Willenskraft aufzubringen. Das Ziel ist ein System, das Willenskraft überflüssig macht.
Kostenloser Tool-Tipp
Finde heraus welcher Abnehm-Typ du bist → Typen-Quiz starten
Die drei häufigsten System-Fehler
Fehler 1: Der Plan ignoriert deinen echten Alltag. Ein Ernährungsplan für einen Bürojob mit acht Stunden und Mittagspause klappt im Schichtdienst nicht. Ein Trainingsplan mit 5 Tagen pro Woche klappt nicht, wenn du 2 Kinder unter 3 Jahren hast. Dann liegt das Problem am Plan, nicht an dir.
Fehler 2: Zu viel gleichzeitig. Ernährung umstellen, täglich trainieren, besser schlafen und weniger Stress haben. Jedes für sich ist möglich. Alles zusammen auf einmal halten viele nicht durch. Viele Menschen können nur wenige Verhaltensänderungen gleichzeitig durchhalten.
Fehler 3: Kein Unterschied zwischen gut und perfekt. Alles-oder-nichts-Denken ist ein sehr häufiges Muster. Zum Beispiel: „Wenn ich heute nicht perfekt gegessen habe, ist der Tag verloren.“ Das führt zu immer mehr Ausrutschern und am Ende zum Aufgeben. Ein guter Tag ist immer besser als kein guter Tag.
Der Schlüssel ist nicht mehr Disziplin. Es ist das richtige System für dein Leben.
Häufige Fragen
Wie viele gescheiterte Versuche sind normal?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Viele Menschen, die lange Erfolg haben, haben vorher mehrere Ansätze versucht, die nicht gehalten haben. Jeder Versuch liefert dir Informationen. Er ist kein Versagen.
Was ist der erste Schritt, wenn bisher nichts funktioniert hat?
Verstehen, warum. Nicht „Ich brauche einen besseren Plan“, sondern „Was hat jeden bisherigen Plan zum Scheitern gebracht?“ Auf diese Frage antwortet ein gutes System.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Erkrankungen, Schwangerschaft oder Medikamenteneinnahme sprich Ernährungs- und Trainingsumstellungen bitte vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Quellen
- Lally, P., van Jaarsveld, C.H.M., Potts, H.W.W. & Wardle, J. (2010): "How are habits formed: Modelling habit formation in the real world" — European Journal of Social Psychology, 40(6), 998–1009 — im Median 66 Tage bis zur Automatisierung eines neuen Verhaltens, mit großer Spanne (18 bis 254 Tage) — doi.org/10.1002/ejsp.674
- Fogg, B.J. (2019): "Tiny Habits: The Small Changes That Change Everything" — Houghton Mifflin Harcourt (Buch) — zur Idee, mit sehr kleinen, wiederholbaren Handlungen zu starten
- Spiegel K et al. (2004): Brief communication: Sleep curtailment in healthy young men is associated with decreased leptin levels, elevated ghrelin levels, and increased hunger and appetite. Annals of Internal Medicine, 141(11), 846–850 — kleine Studie mit 12 gesunden jungen Männern — PubMed
NÄCHSTER SCHRITT
Erkennst du dich in diesem Artikel wieder? Marcel schaut sich deinen echten Alltag an und gibt dir persönliche Rückmeldung, wo bei dir ein sinnvoller Hebel liegen könnte.
Ersten Tag kostenlos testen →
Erster Tag kostenlos · Persönliche Rückmeldung von Marcel