Wilkinson und Kollegen (Cell Metabolism, 2020) ließen 19 Menschen mit metabolischem Syndrom 12 Wochen lang alles innerhalb von 10 Stunden essen. Das Essfenster sank im Mittel von 15,1 auf 10,8 Stunden. Das Gewicht sank um durchschnittlich 3,3 kg, der Blutdruck um etwa 5 und 6 mmHg, das LDL-Cholesterin um rund 12 mg/dl. Triglyceride und HbA1c veränderten sich nicht eindeutig. Es gab keine Kontrollgruppe und keine Schichtarbeitenden, die Ergebnisse sind ein Hinweis, kein Beweis.
„Iss nur innerhalb von zehn Stunden“ klingt einfach. Ob das auch Menschen mit erhöhten Blutwerten hilft, hat ein Team aus San Diego in einer kleinen Pilotstudie geprüft. Hier steht, was sie gemessen haben, wo die Studie an ihre Grenzen stößt und was das für Schichtarbeit heißt.
Was die Studie ist
Wilkinson, Manoogian, Panda, Taub und Kollegen (University of California San Diego und Salk Institute) haben die Studie 2020 in Cell Metabolism veröffentlicht. Es war eine einarmige Pilotstudie: Alle Teilnehmenden bekamen dieselbe Intervention, es gab keine Vergleichsgruppe und keine Verblindung. Eingeschlossen wurden Erwachsene mit metabolischem Syndrom, die nach eigener Angabe an 14 oder mehr Stunden pro Tag aßen. Von 35 eingeschriebenen Personen begannen 25 die Intervention, in die Auswertung gingen 19 ein (13 Männer, 6 Frauen, im Mittel 59 Jahre, im Mittel 97,8 kg und BMI 33). 16 von ihnen nahmen mindestens ein Medikament, 79 Prozent ein Statin und 63 Prozent Blutdruckmittel.
Was die Teilnehmenden taten
Sie sollten 12 Wochen lang alles Essen und Trinken außer Wasser und Medikamenten in ein selbst gewähltes, möglichst gleichbleibendes 10-Stunden-Fenster legen, also 14 Stunden nachts fasten. Ernährungsempfehlungen zur Menge oder Qualität gab es nicht. Das Essen wurde über eine Smartphone-App mit Foto und Notiz erfasst. Die Kalorien wurden danach aus diesen Einträgen geschätzt, sie sind also weniger genau als in Studien, in denen das Essen gestellt und gewogen wird.
Was herauskam
Das tägliche Essfenster sank im Mittel von 15,13 auf 10,78 Stunden. Die geschätzte Energieaufnahme sank im Mittel um 8,6 Prozent, von etwa 1.991 auf 1.792 kcal pro Tag. Das Körpergewicht sank um durchschnittlich 3,3 kg (rund 3 Prozent), der Taillenumfang um 4,5 cm. Der systolische Blutdruck sank im Mittel um 5,1 mmHg, der diastolische um 6,5 mmHg. Das LDL-Cholesterin sank um rund 11,9 mg/dl (11 Prozent). Bei Triglyceriden und beim Nüchternblutzucker sahen die Autoren Tendenzen, aber keine eindeutigen Veränderungen. Beim HbA1c insgesamt lag der p-Wert bei 0,058. In der Teilgruppe mit erhöhtem Nüchternzucker oder HbA1c (12 Personen) sank der HbA1c um 0,22 Prozentpunkte (p = 0,04). Beim Schlaf gaben die Teilnehmenden per App an einem größeren Teil der Morgen an, erholt aufgewacht zu sein (von 70 auf 88 Prozent der Tage). Der Fragebogen zur Schlafqualität zeigte keine eindeutige Veränderung.
Wie viele blieben dabei
Nach durchschnittlich etwa 16 Monaten fragten die Autoren alle 19 nach. 5 (26 Prozent) aßen weiter in einem festen Zeitfenster, 7 (37 Prozent) taten es teilweise, 7 (37 Prozent) nicht mehr. Die Autoren werten es als Hinweis, dass 63 Prozent noch irgendeine Form beibehielten. Man kann es auch nüchterner lesen: Gut jede vierte Person blieb konsequent dabei.
Warum man vorsichtig sein muss
Die Autoren nennen selbst die wichtigsten Grenzen: unverblindet, einarmig, kleine Stichprobe, sehr unterschiedliche Ausgangswerte und Medikamente. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht trennen, was am Zeitfenster liegt und was daran, dass Menschen in einer Studie und mit App-Protokoll ohnehin anders essen. Die Blutdruckwerte schwanken stark (die Standardabweichungen sind fast so groß wie die Veränderung), und die Autoren weisen darauf hin, dass die Stichprobe klein ist. Ein Teil der Verbesserung kann am Gewichtsverlust liegen. Die Autoren rechneten das statistisch durch: Für Visceralfett, Blutdruck und LDL ließ sich die Veränderung nicht allein durch das Gewicht erklären, beim Taillenumfang hing sie dagegen mit Gewicht und Essfenster zusammen. Ob ein größerer, kontrollierter Versuch dasselbe zeigt, ist offen.
Was das für Schichtarbeit bedeutet
Niemand in der Studie arbeitete im Schichtdienst, alle hatten einen weitgehend gleichmäßigen Schlafrhythmus. Ein fester 10-Stunden-Rahmen setzt einen festen Tagesablauf voraus, den Früh-, Spät- und Nachtdienst gerade nicht bieten. Die Studie sagt also nichts darüber, ob und wie das bei wechselnden Diensten funktioniert. Praktisch heißt das: Nimm aus der Arbeit keine starre Regel mit. Als Gedanken kannst du mitnehmen, dass ein ruhiges Ende des Tagesessens und eine nächtliche Pause zwischen den Mahlzeiten bei manchen den Alltag erleichtern. Wie du das an deinen Dienstplan anpasst, steht in den verwandten Artikeln.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Diabetes mit Medikamenten, Bluthochdruck-Medikamenten, Schwangerschaft oder Essstörungen sprich ein verkürztes Essfenster vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab. Der Artikel ist nicht rechtsgeprüft.
Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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