BewegDichLeicht
BewegDichLeicht

Blog · Ernährung · Verhalten · Training

Ganz einfach erklärt

Stell dir einen Rauchmelder vor. Er schlägt Alarm, wenn er Rauch spürt. Manchmal piepst er schon beim Toasten, obwohl nichts brennt. Dein Schmerzsystem ist ähnlich: Es soll dich schützen, und wenn es müde, gestresst oder lange überreizt ist, schlägt es früher und lauter Alarm.

Schmerz fühlt sich an, als säße er genau dort, wo es wehtut. Tatsächlich entsteht er im Gehirn. Hier steht in einfachen Worten, wie das Signal läuft, warum Schlaf und Stress mitreden und was im Alltag hilft.

Schmerz ist ein Warnsystem, kein Schadensmesser

Schmerz ist eine unangenehme Empfindung, die dein Gehirn erzeugt. Die Fachgesellschaft IASP beschreibt ihn seit 2020 als unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder drohender Gewebeschädigung verbunden ist oder dem ähnelt. Wichtig daran: Das Gehirn bewertet, ob etwas gefährlich ist, und entscheidet dann, ob es weh tut.

Das erklärt, warum Schmerz und Schaden nicht immer zusammenpassen. Ein kleiner Papierschnitt kann stark brennen. Eine Sportverletzung im Wettkampf fällt manchmal erst auf, wenn das Spiel vorbei ist. Dein Körper hat also kein „Schadensmessgerät“, sondern ein Warnsystem, das die Lage einschätzt.

Der Weg des Signals: von der Haut ins Gehirn

Im Gewebe sitzen Nervenenden, die auf starken Druck, Hitze, Kälte oder Chemikalien aus gereizten Zellen reagieren. Man nennt diese Meldung Nozizeption. Sie läuft über Nerven zum Rückenmark und von dort nach oben ins Gehirn.

Erst im Gehirn entsteht daraus das, was du als Schmerz erlebst. Dort fließen viele Dinge ein: wo du bist, wie müde du bist, was du früher erlebt hast, wie du die Situation einschätzt und ob du Angst hast. Nozizeption und Schmerz sind laut IASP zwei verschiedene Dinge.

Warum Schlaf, Stress und Stimmung mitreden

Das Nervensystem kann Signale verstärken oder dämpfen. Schon im Rückenmark gibt es Schaltstellen, die Meldungen weiterleiten oder bremsen. Zu wenig Schlaf, dauerhafter Stress und gedrückte Stimmung können dazu führen, dass das System empfindlicher eingestellt ist.

Gerade im Schichtdienst ist das ein Thema. Wer oft zu wenig oder unregelmäßig schläft, spürt Beschwerden manchmal früher und stärker. Das heißt nicht, dass du dir etwas einbildest. Der Schmerz ist echt, er hat nur mehr Einflussfaktoren als der Körperteil allein.

Akuter und chronischer Schmerz

Akuter Schmerz kommt plötzlich, hat meist einen klaren Anlass und klingt in Tagen bis Wochen ab, zum Beispiel nach einer Zerrung. Als chronisch gilt Schmerz in der Medizin, wenn er länger als drei Monate anhält oder immer wiederkehrt. So steht es in der Klassifikation der IASP für die ICD-11.

Bei chronischem Schmerz ist das Alarmsystem oft dauerhaft hochgestellt, auch wenn das Gewebe längst geheilt ist. Deshalb reicht „Schonen“ dann meist nicht. Oft hilft das Gegenteil: dosierte Bewegung, Schlaf und weniger Dauerstress, am besten mit fachlicher Begleitung.

Was im Alltag hilft

Bei häufigen, harmlosen Beschwerden wie einem steifen Rücken sind ruhig bleiben, in Bewegung bleiben und kleine Schritte oft besser als langes Liegen. Die Nationale VersorgungsLeitlinie zum nicht-spezifischen Kreuzschmerz empfiehlt, aktiv zu bleiben und Alltagsaktivitäten so weit wie möglich weiterzuführen. Auch die WHO nennt Bewegung und Aufklärung als zentrale Bausteine bei chronischen Rückenschmerzen.

Dazu passen drei einfache Gewohnheiten: Pausen in der Haltung (alle 30 bis 60 Minuten kurz aufstehen), regelmäßiger Schlaf, so gut es der Dienstplan erlaubt, und eine Ernährung, die satt macht und dich nicht zusätzlich stresst. Ob Wärme, Kälte oder Massage für dich passt, ist eine Frage des Ausprobierens. Dazu kommt später ein eigener Artikel.

Pflanzlich essen und Schmerzen

Keine Ernährungsform kann Schmerzen sicher beseitigen. Das gilt für Mischkost genauso wie für vegetarische und vegane Ernährung. Wichtig ist, dass du alles bekommst, was Körper und Nerven brauchen. Bei veganer Ernährung gehört dazu zuverlässig Vitamin B12, das die DGE als Ergänzung empfiehlt, und eine gute Eiweißversorgung aus Hülsenfrüchten, Tofu, Vollkorn und Nüssen.

Wenn du Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit hast und dich vegan ernährst, lass B12 und andere Werte bei deiner Ärztin oder deinem Arzt prüfen. Das ist keine Diagnose von mir, sondern ein sinnvoller erster Check.

Wann du zum Arzt gehst

Geh bitte zeitnah zu einer Ärztin oder einem Arzt, wenn Schmerzen nach einem Unfall auftreten, nachts stark sind oder dich aus dem Schlaf reißen, wenn Fieber oder unerklärter Gewichtsverlust dazukommen oder wenn Lähmungen, Taubheit oder Probleme mit Blase oder Darm auftreten. Auch bei Brustschmerz mit Atemnot oder Ausstrahlung in Arm oder Kiefer ist der Notruf 112 richtig.

Wenn Schmerzen länger als ein paar Wochen anhalten oder dein Leben einschränken, lass sie abklären. Du musst das nicht allein lösen.

Wichtig: Dieser Artikel ist allgemeine Information und keine Diagnose. Bei Schmerzen, die stark sind, neu auftreten oder länger anhalten, sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Im Notfall ruf die 112.

Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Du willst wissen, wo bei DIR Stellschrauben liegen?

Die Ernährungsanalyse zeigt dir in 4 Tagen, wie dein Alltag aussieht, und Marcel wertet sie persönlich aus.

Ernährungsanalyse starten →

Marcel Schinske

Ernährungs- und Bewegungscoach, früher Personal Trainer und Naturalist auf Expeditionsschiffen. Hilft Menschen mit echtem Alltag beim nachhaltigen Abnehmen.

NÄCHSTER SCHRITT

Erkennst du dich in diesem Artikel wieder? Marcel schaut sich deinen echten Alltag an und zeigt dir was bei dir der stärkste Hebel ist.

Ersten Tag kostenlos testen →

Erster Tag kostenlos · Persönliche Rückmeldung von Marcel

Vertrag widerrufen