Ein Heidelberger Team hat Daten von 135.934 Menschen aus der UK Biobank ausgewertet. Rechnete man nur Alter und Geschlecht heraus, hatten Menschen mit Vitamin-D-Mangel etwas öfter Kreuzschmerzen (Chance 1,13-fach). Nach Berücksichtigung weiterer Merkmale verschwand der Zusammenhang (0,95). Auch in der Verlaufsbeobachtung über median 8,5 Jahre zeigte sich kein Zusammenhang. Die Studie liefert keinen Hinweis, dass der Vitamin-D-Wert Rückenschmerzen verursacht.
Wer im Schichtdienst viel drinnen ist und Rückenschmerzen hat, liest schnell, Vitamin-D-Mangel könne dahinterstecken. Eine große Studie aus Heidelberg hat das genauer angesehen. Das Ergebnis ist ein gutes Beispiel dafür, warum ein Zusammenhang in den Rohdaten noch keine Ursache beweist.
Was untersucht wurde
Das Team um Sha Sha, Hermann Brenner und Ben Schöttker vom Deutschen Krebsforschungszentrum nutzte Daten der UK Biobank. Nach Ausschlüssen blieben 135.934 Menschen für die Querschnittsauswertung. Geprüft wurde, ob ein Vitamin-D-Mangel (25-Hydroxyvitamin D unter 30 nmol/L), ein niedriger Wert (30 bis unter 50 nmol/L) oder die regelmäßige Einnahme von Vitamin-D-Präparaten mit Kreuzschmerzen zusammenhängt. Als Kreuzschmerz zählte eine ärztliche Diagnose (ICD-10 M54.5) oder Rückenschmerzen im letzten Monat laut Fragebogen.
Zusätzlich wurde beobachtet, wer im Lauf von median 8,5 Jahren neu die Diagnose Kreuzschmerzen bekam. Dafür wurden nur Menschen berücksichtigt, die zu Beginn keine Rückenschmerzen hatten.
Die Ausgangslage
Einen Mangel hatten 21,6 Prozent, einen niedrigen Wert 34,5 Prozent. Regelmäßig Vitamin D nahmen nur 4 Prozent, Multivitamine 19,7 Prozent. Vor Beginn hatten 3,8 Prozent Kreuzschmerzen. Während der Beobachtung bekamen weitere 3,3 Prozent erstmals die Diagnose (4.288 Personen).
Erst ein Zusammenhang, dann keiner
Wurden nur Alter und Geschlecht berücksichtigt, hatten Menschen mit Vitamin-D-Mangel etwas häufiger Kreuzschmerzen: Die Chance lag beim 1,13-fachen (95-Prozent-Intervall 1,05 bis 1,22). Bei Vitamin-D-Anwendern war sie sogar 1,29-fach (1,13 bis 1,47), vermutlich weil Menschen mit Beschwerden eher Präparate nehmen.
Nach Berücksichtigung von 27 weiteren Merkmalen (bei den Präparaten 30), darunter Vorerkrankungen des Bewegungsapparats, war der Zusammenhang weg: 0,95 (0,87 bis 1,03) beim Mangel, 0,99 (0,86 bis 1,14) bei Anwendern. In der Verlaufsbeobachtung zeigte sich ebenfalls nichts: Mangel 0,93 (0,86 bis 1,01) bei Alter und Geschlecht, Anwender 0,93 (0,80 bis 1,09) im vollständigen Modell. Ein niedriger Wert und Multivitamine hingen in keiner Auswertung mit Kreuzschmerzen zusammen.
Ein Zufallsbefund, den die Autoren selbst einordnen
Im vollständigen Verlaufsmodell war das Risiko bei Mangel scheinbar sogar niedriger (0,87, 0,79 bis 0,95). Das wäre biologisch unplausibel, ein Mangel sollte Schmerzen kaum verhindern. Die Autoren wiesen darauf hin, dass sie 16 Tests gerechnet hatten und deshalb eine strengere Grenze (p unter 0,003125, Bonferroni-Korrektur) ansetzten. Mit dieser Korrektur war der Befund nicht mehr bedeutsam. Er zeigt gut, warum man bei vielen Tests auf Zufallstreffer achten muss.
Was die Studie nicht klärt
Es ist eine Beobachtungsstudie: Restliche Verzerrungen kann sie nicht ausschließen. Vitamin-D-Wert und Präparatenutzung wurden nur zu Beginn erfasst. Wer später anfing oder aufhörte, ist nicht abgebildet. Dosis und Einnahmehäufigkeit sind unbekannt. Etwa 55 Prozent der Teilnehmenden fielen heraus, weil ihre Hausarztdaten nicht verknüpft waren, die Verbleibenden ähnelten den übrigen aber stark. Die Ergebnisse gelten vor allem für Menschen europäischer Herkunft.
Und die Studie sagt nichts darüber, ob Vitamin D bei Menschen mit Mangel und Knochen- oder Muskelproblemen sinnvoll sein kann. Sie prüft nur, ob der Wert Kreuzschmerzen vorhersagt.
Was das für deinen Rücken bedeutet
Wer Kreuzschmerzen hat, sollte nicht in erster Linie am Vitamin-D-Wert ansetzen. Kreuzschmerzen haben meist viele Ursachen, und bei anhaltenden oder starken Beschwerden gehört eine ärztliche Abklärung dazu. Im Alltag helfen nach heutigem Stand Bewegung statt Schonung und Kräftigung. Mehr dazu steht im Artikel zu Rückenschmerzen und Bewegen statt Schonen.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei starken, anhaltenden oder plötzlich auftretenden Rückenschmerzen, bei Taubheit, Lähmungen oder Fieber geh bitte zeitnah zum Arzt. Der Artikel ist nicht rechtsgeprüft.
Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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