Fett hat mit 9 Kilokalorien pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate oder Protein — das machte es zum bequemen Sündenbock der Low-Fat-Ära. Doch Energie ist nur eine von vielen Aufgaben, die Fette im Körper übernehmen, und bei den anderen gibt es keinen Ersatz.
Ohne Fett keine fettlöslichen Vitamine
Vitamin A, D, E und K sind fettlöslich — das bedeutet, dein Körper kann sie ohne ausreichend Fett in der Mahlzeit kaum aufnehmen, egal wie viel davon auf dem Teller liegt. Iss deinen Vitamin-D-reichen Fisch oder dein Vitamin-A-reiches Gemüse mit zu wenig Fett dazu, und ein erheblicher Teil der Vitamine geht schlicht unverdaut wieder verloren.
Zellmembranen und Hormone bestehen buchstäblich aus Fett
Jede einzelne Zelle deines Körpers ist von einer Membran umgeben, die zu einem großen Teil aus Fettsäuren (Phospholipiden) besteht. Auch viele Hormone — darunter die Sexualhormone — werden aus Fett-Grundbausteinen hergestellt. Eine dauerhaft zu fettarme Ernährung kann sich deshalb direkt auf den Hormonhaushalt auswirken.
Wichtig zu wissen: Manche Fettsäuren gelten als "essentiell" — der Körper kann sie nicht selbst herstellen und ist vollständig auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Ein Mangel daran kann grundlegende Körperprozesse beeinträchtigen.
Omega-3 und Omega-6: auf das Verhältnis kommt es an
Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA, vor allem in fettem Fisch) wirken entzündungshemmend und sind zentral für Gehirn und Nervenzellen. Omega-6-Fettsäuren (u.a. in vielen Pflanzenölen) sind ebenfalls essentiell, aber in der modernen Ernährung meist im Überfluss vorhanden — das Verhältnis zwischen beiden ist bei den meisten Menschen deutlich zugunsten von Omega-6 verschoben, was die entzündungshemmende Wirkung von Omega-3 abschwächen kann.
Was das für deinen Alltag bedeutet
Fett radikal zu meiden ist keine gute Strategie — weder fürs Abnehmen (siehe unseren Artikel zum Fettarm-Paradox) noch für deine Gesundheit. Sinnvoller ist es, auf die Qualität zu achten: hochwertige Öle (Olivenöl, Rapsöl), fetter Fisch für Omega-3, Nüsse und Avocado, statt stark verarbeitete Transfette aus Fertigprodukten. Etwa 25 bis 35 Prozent deiner Tageskalorien aus Fett gelten als vernünftiger Richtwert für die meisten Menschen.
Quellen
- DocMedicus Gesundheitslexikon: Zur Rolle von Fetten bei Zellmembranen, Hormonhaushalt, Entzündungsregulation und Aufnahme fettlöslicher Vitamine
- Bollwerk-Apotheke (Fachinformation): Zu essentiellen Fettsäuren und deren Unentbehrlichkeit für die Vitamin-A/D/E/K-Aufnahme aus dem Darm
- Nahani-Fachartikel: Zur Unterscheidung von Omega-3 (EPA, DHA) und Omega-6-Fettsäuren und deren jeweiliger physiologischer Wirkung
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