Die europäische Leitlinie von 2024 (ESC) unterscheidet bei der Praxismessung nicht erhöht (unter 120/70 mmHg), erhöht (120 bis 139 und/oder 70 bis 89 mmHg) und Bluthochdruck (ab 140/90 mmHg). Zu Hause gilt ein Durchschnitt ab 135/85 mmHg als Bluthochdruck. Bei erhöhtem Blutdruck kommt zuerst etwa drei Monate Lebensstil. Genannt werden unter anderem etwa 5 g Salz am Tag, 150 Minuten Ausdauer pro Woche, Normalgewicht und möglichst wenig Alkohol. Dieser Artikel ersetzt keine Messung und keine ärztliche Beurteilung.
Viele Menschen kennen ihre Blutdruckwerte nur ungefähr. Im Schichtdienst, mit wenig Schlaf und unregelmäßigem Essen sind sie aber ein Wert, der es lohnt, im Blick zu behalten. Hier die Einordnung nach der aktuellen europäischen Leitlinie.
Was die Zahlen bedeuten
Blutdruck wird in mmHg angegeben, mit zwei Zahlen: der obere Wert (systolisch) beim Herzschlag, der untere (diastolisch) in der Pause dazwischen. Die europäische Leitlinie von 2024 (Europäische Gesellschaft für Kardiologie, ESC) teilt die Praxiswerte so ein: nicht erhöht unter 120/70 mmHg, erhöht bei 120 bis 139 mmHg oben und/oder 70 bis 89 mmHg unten, Bluthochdruck ab 140/90 mmHg. Neu ist die Stufe ›erhöht‹. Die Leitlinie begründet sie damit, dass das Risiko für Herz und Kreislauf mit dem Blutdruck gleitend steigt, schon ab etwa 90 mmHg oben, und nicht erst an einer festen Grenze beginnt. Den Begriff ›normal‹ vermeidet sie deshalb bewusst.
Für die Diagnose Bluthochdruck soll der Wert bestätigt werden, bevorzugt außerhalb der Praxis. Zu Hause (Mittelwert aus mehreren Tagen) gilt ab 135/85 mmHg Bluthochdruck, als erhöht gelten Mittelwerte von 120 bis 134 oben oder 70 bis 84 unten. Bei der 24-Stunden-Messung liegt die Grenze für Bluthochdruck bei 130/80 mmHg im Tagesmittel über 24 Stunden und bei 120/70 mmHg nachts. Die Leitlinie weist außerdem darauf hin, dass Praxiswerte unter Alltagsbedingungen oft 5 bis 10 mmHg höher ausfallen als bei sorgfältiger Messung.
So misst du zu Hause richtig
Nach der Leitlinie: ein geprüftes Gerät mit passender Manschettengröße am Oberarm, in Herzhöhe, nach 5 Minuten ruhigem Sitzen mit gestütztem Rücken und Arm. Zwei Messungen im Abstand von 1 bis 2 Minuten, morgens und abends, an mindestens 3 und möglichst 7 Tagen. Morgens vor dem Frühstück und vor Medikamenten, aber nicht direkt nach dem Aufwachen. Dann alle Werte mitteln und der Ärztin oder dem Arzt zeigen. Geräte, die älter als 4 Jahre sind, können ungenau sein. Listen geprüfter Geräte nennt die Leitlinie unter stridebp.org und validatebp.org.
Für den Schichtdienst heißt das praktisch: Nimm als ›morgens‹ den Zeitpunkt nach deinem Aufstehen, nicht die Uhrzeit, und notiere, wann du zuletzt geschlafen hast. Das ist meine Übersetzung, die Leitlinie sagt dazu nichts Spezielles zu Schichtarbeit.
Was bei erhöhtem Blutdruck passiert
Wer im Bereich ›erhöht‹ liegt und ein niedriges bis mittleres Risiko hat, bekommt Lebensstilmaßnahmen. Bei hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (zum Beispiel bestehende Erkrankung, errechnetes Zehn-Jahres-Risiko von mindestens 10 %, oder 5 bis unter 10 % mit zusätzlichen Risikofaktoren) kommen nach 3 Monaten Lebensstil Medikamente in Betracht, wenn der bestätigte Wert weiter bei 130/80 mmHg oder höher liegt. Das entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt anhand deines Gesamtrisikos, nicht ein Artikel. Bei bestätigtem Bluthochdruck ab 140/90 mmHg empfiehlt die Leitlinie unabhängig vom Risiko Lebensstil und Medikamente.
Das Behandlungsziel unter Medikamenten liegt bei einem oberen Wert von 120 bis 129 mmHg, wenn das vertragen wird, sonst so niedrig wie vernünftig erreichbar.
Welche Alltagsmaßnahmen die Leitlinie nennt, mit Zahlen
Salz: Natrium auf etwa 2 g pro Tag oder weniger begrenzen, das entspricht etwa 5 g Speisesalz oder einem Teelöffel, einschließlich des Salzes, das schon in Lebensmitteln steckt. Die Leitlinie betont, dass der größte Teil des Natriums aus verarbeiteten Lebensmitteln stammt. Für Menschen ohne erhöhten Blutdruck nennt sie als machbaren Kompromiss 2 bis 4 g Natrium pro Tag.
Bewegung: mindestens 150 Minuten pro Woche Ausdauer in mittlerer Intensität (zum Beispiel flotter Spaziergang, Radfahren, Schwimmen) oder 75 Minuten pro Woche in hoher Intensität über 3 Tage, dazu zwei- bis dreimal pro Woche leichtes bis mittleres Krafttraining. In den von der Leitlinie ausgewerteten Studien sank der obere Wert bei Menschen mit Bluthochdruck durch regelmäßiges Ausdauertraining im Mittel um bis zu 7 bis 8 mmHg und der untere um bis zu 4 bis 5 mmHg; wie stark der Effekt bei dir ausfällt, ist individuell. Intervalltraining wirkte in den Studien ähnlich wie gleichmäßiges Training. Bei sehr hohen Ruhewerten (oben über 200 oder unten über 110 mmHg) gilt intensives Training als relativ nicht ratsam.
Gewicht: Ein Gewichtsverlust von im Mittel 5 kg ging mit einer Senkung von 4,4 mmHg oben und 3,6 mmHg unten einher. Als Ziel nennt die Leitlinie ein stabiles BMI von 20 bis 25 und einen Taillenumfang unter 94 cm bei Männern und unter 80 cm bei Frauen. Das dauerhaft zu erreichen, sei schwierig und die Größe des Effekts bleibe unklar. Schon das Halten des Gewichts im mittleren Alter gilt als wichtiges Ziel.
Ernährung: Mediterrane Kost und die DASH-Diät sind etablierte Maßnahmen. Freien Zucker, vor allem Zuckergetränke, auf höchstens 10 % der Energie begrenzen. Eine kaliumreiche Ernährung mit Obst und Gemüse ist nach der Leitlinie mit niedrigeren Blutdruckwerten verbunden; die WHO empfiehlt über 3,5 g pro Tag. Bei hoher Salzzufuhr und ohne fortgeschrittene Nierenerkrankung kann mehr Kalium erwogen werden, bei Nierenerkrankung oder bestimmten Medikamenten (zum Beispiel ACE-Hemmer, Sartane, Spironolacton) muss der Kaliumspiegel kontrolliert werden. Kaliumsalz-Ersatz sollte nicht in Eigenregie genutzt werden.
Alkohol und Getränke: Möglichst ganz verzichten gilt als wahrscheinlich am gesündesten. Wer trinkt, soll höchstens 100 g reinen Alkohol pro Woche erreichen. Schon 10 g pro Tag erhöhten in einer Auswertung das Risiko für Bluthochdruck bei Männern um 14 %. Kaffee war nicht mit höherem Bluthochdruckrisiko verbunden, Energydrinks mit viel Koffein und Taurin können den Blutdruck erhöhen. Rauchen: Ein Rauchstopp verringert nach der Leitlinie das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich, den Blutdruck selbst aber nur wenig.
Was das im Schichtdienst heißen kann
Im Dienst steckt Salz oft in Fertigprodukten, Wurst, Brot und Snacks. In unserem Artikel zu verstecktem Salz findest du Beispiele. Bewegung in kleinen Einheiten zählt zu den 150 Minuten, sie muss nicht am Stück sein. Zu Schichtarbeit selbst sagt die Leitlinie nichts, deshalb bleibt es hier bei diesen allgemeinen Punkten.
Bei Schwindel, Brustschmerz, Luftnot oder sehr hohen Werten (ab 180/110 mmHg in der Praxis wird ein hypertensiver Notfall geprüft) gilt: ärztlich abklären lassen, nicht abwarten.
Was dieser Artikel nicht leistet
Er ersetzt keine Messung und keine Diagnose. Ich habe die Leitlinie im Volltext gelesen (Abschnitte zu Definition, Messung, Lebensstil und Behandlungsschema) und die Kurzfassung in zehn Punkten. Die Leitlinie ist für Erwachsene geschrieben, bei Schwangerschaft, Nierenerkrankung, bekannter Herzerkrankung oder Medikamenten gelten eigene Regeln, die der Artikel nicht abdeckt. Die genannten Blutdrucksenkungen stammen aus Auswertungen mehrerer Studien und sagen nichts darüber, was bei dir passiert.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, Messung oder Diagnose. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangerschaft, Nierenerkrankung, Medikamenten oder Unsicherheit sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Die Leitlinienlage kann sich ändern. Der Artikel ist nicht rechtsgeprüft.
Hinweis: Alle Zahlenangaben sind gerundete Richtwerte aus den genannten Quellen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- McEvoy, J.W. et al. (2024): 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal 45(38): 3912-4018 (Volltext gelesen, v. a. Abschnitte 5, 6, 8)
- McCarthy, C.P., Touyz, R.M., McEvoy, J.W. (2024): The ten commandments for the 2024 European Society of Cardiology guidelines on elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal 45(44): 4682-4683 (gelesen)
- Europäische Gesellschaft für Kardiologie (2024): Pressemitteilung zu den Leitlinien (Zweitquelle)
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